Freitag, 17. August 2018, 06:06

Kontaktadresse

SVP Aargau
Gässli 4
5603 Staufen

Telefon: 062 823 73 70
Telefax: 062 823 73 71
E-Mail:  info@svp-ag.ch

PC-Konto: 50-1650-3

Ansprache Regierungsrätin Franziska Roth zum 1. August

(gehalten am 31.7., Amphitheater Vindonissa)

 

Unser Nationalfeiertag ist eine ideale Gelegenheit und auch eine Chance, über unsere historischen Fundamente nachzudenken. Der 1. August ist ein Tag der Dankbarkeit, der Feierlichkeit und – dank Friedrich von Schiller und seinem Drama «Wilhelm Tell» – auch der Romantik.

Und wo könnte man dies besser feiern, als hier, an historischer Stätte im Amphitheater Vindonissa in Windisch. Diese Anlage – übrigens die wichtigste römische Fundstelle nördlich der Alpen – stammt aus dem 1. Jahrhundert und wurde von der 21. Römischen Legion errichtet und bietet Platz für 11'000 Zuschauer.

Fast 1000 Jahre lang währte das Römische Reich. Bauwesen, Kunst, Kultur und nicht zuletzt unser Rechtswesen wurde von den Römern entscheidend geprägt: bereits im Römischen Recht gab es ein Strafrecht, ein Privatrecht, eine Prozessordnung, die Prinzipien der Rechtssicherheit und Ansätze eines Völkerrechts.

Auch unsere Badekultur haben wir den Römern zu verdanken. Unsere Thermenbäder Baden, Schinznach und Zurzach gäbe es ohne das Römische Reich nicht.

Das Römische Reich aber ist längst Geschichte und die Schweiz von heute gab es damals nicht. Jetzt gibt es die Schweiz.

Die Schweiz trotzt seit den Tagen des Rütlischwurs vielen Krisen, gilt als eines der innovativsten Länder der Welt und eines der lebenswertesten dazu. Ein Land, in welchem es höchste Sicherheit und kaum Korruption gibt, das ein hervorragendes Gesundheitssystem hat. Ein Land, in welchem es sich gut und sicher in Freiheit und Demokratie leben lässt.

Aber wie hat die kleine Schweiz das geschafft? Waren es wirklich ein paar mutige Männer und Frauen, Abtrünnige, welche die «fremden Fötzel» weggejagt, auf dem Rütli sich Treue schworen für unser Land «wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern und Schwestern»?

Mag sein, aber die Schweiz entstand – wie auch das Römische Reich –  nicht an einem Tag. Die Schweiz wurde mit Geduld geschmiedet. Dies war aber nicht die einzige Tugend der Ur-Schweizerinnen und Ur-Schweizer. Da war viel Beharrlichkeit, teils vielleicht Sturheit, Ausdauer und Beständigkeit vorhanden. Das Bündnis der Eidgenossen sollte Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität sowie Offenheit gegenüber der Welt garantieren. Das haben wir geschafft und es funktioniert. «Quod erat demonstrandum», wie die Römer sagen würden.

Aber: wie haben wir das geschafft? Wie konnte das letztlich funktionieren mit der Schweiz? Wir haben kaum Bodenschätze, keinen Meerzugang, eine schwierige Topographie, vier Landesprachen, unterschiedlichste Regionen, denken oft lokal, regional, kantonal und sind uns doch national meistens einig.

Die Antwort ist simpel und besser als jeder Zaubertrank. Wir haben es geschafft, weil wir vieles ganz anders machen. Wir organisieren und regieren uns anders. Mit dem Schwur der Eidgenossen war klar, was wir wirklich wollen: keine fremden Herren, keine fremden Richter und alle Macht beim Volk. Keine Zentralisierung, sondern Föderalismus. Ein schlanker Staat und eine direkte Demokratie, wo die Bürgerin und der Bürger sagen kann, was und wie es getan werden soll. Dies sollte Groll, Frustration, Intrigen, Bürgerkriege und ein Scheitern und Auseinanderfallen des Bundes verhindern. Das Rezept stimmte und stimmt auch heute: Keine Machtkonzentration und maximale Freiheit fürs Volk.

Was im 13. Jahrhundert begann, wurde laufend optimiert. Unsere Bundesverfassung von 1848 war schon damals eine der modernsten Verfassungen Europas. Mit dem fakultativen Referendum in der Bundesverfassung sorgten wir seit 170 Jahren dafür, dass unsere Verfassung – die unsere nationale Hausordnung ist – sich laufend der Zeit und den Schweizerinnen und Schweizern anpassen kann. Der Wille des Volkes steht dabei immer an erster Stelle und garantiert, dass wir unsere wichtigsten Werte stets leben können: Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Offenheit. Das sind grosse Werte, die nie selbstverständlich sind und die es zu bewahren, zu schützen und notfalls auch zu verteidigen gilt.

Frei und unabhängig – mitten in Europa – urdemokratisch, innovativ, offen und neutral – das war und ist unsere Zauberformel, unser Weg, unsere erfolgreiche Lösung. Und dies seit über 700 Jahren! Darauf dürfen wir alle wirklich stolz sein!

Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen erfolgreichen Weg noch lange gehen werden und wünsche Ihnen nun ganz viel Spass und Heimatgefühl beim Geburtstagsfest unserer Eidgenossenschaft!